WAS YOGA IM PARK FÜR MICH BEDEUTET

Schon voller Vorfreude auf die Zeit, die ich mir schenken werde, betrete ich mit meiner Matte unter dem Arm den Park, ziehe Schuhe und Socken aus und laufe barfuß über die Wiese zu meinem Lieblingsplatz am hinteren Ende des Parks. Dort ist es ruhig und die Bäume spenden selbst an heißen Sommertagen angenehmen Schatten. Ich rolle meine Matte auf der sattgrünen Wiese aus und schaue mich um. Nehme ganz bewusst die rauen Baumrinden der uralten Bäume wahr, die mich umgeben, lasse meinen Blick nach oben schweifen und sehe wie sich der robuste Stamm in immer feinere Äste aufgliedert, an deren Enden sich unzählige grüne Blätter im Wind vor dem kräftigen Blau des Himmels bewegen und ein sanftes Rauschen erzeugen. Musik in meinen Ohren, begleitet vom Zwitschern der Vögel. Mein Blick streift alte Grabsteine aus längst vergangenen Zeiten und ich fühle die warme Abendsonne auf meiner Haut.

Dann lege ich mich in ruhigen Bewegungen auf meine Matte. Komme an. Der Boden unter mir ist angenehm weich und ich fühle das Gras unter den Händen. Meine Finger können dem Impuls nicht widerstehen und greifen zu. Fühlen die einzelnen Halme und die mal raue, mal glatte Struktur der Blätter und Stängel. Meine Augen sind noch geöffnet, denn ich möchte all die Schönheit, alles was mich umgibt in mich aufsagen. Das Sonnenlicht durchdringt sanft das leuchtende Grün der Bäume über mir und spendet angenehme Wärme. Ein glitzerndes Spiel aus Licht und Schatten.


Ich schließe meine Augen, um meine anderen Sinne zu schärfen. Höre das Zwitschern der Vögel, surrende Bienen, das sanfte Rauschen der Blätter über mir, rieche die Blumen und das frische Gras. Ganz allmählich komme ich immer mehr hier im Park an. Ich atme tief durch die Nase frische Energie ein und lasse mit dem Ausatmen alles ziehen, was mich noch vom Tag belastet. Ganz allmählich entspannen sich meine Muskeln und ich kann etwas mehr loslassen und die Stille und Kraft dieses Ortes besser in mich aufsaugen. Spüre die Kontaktpunkte meines Körpers mit dem Boden unter mir und ein Gefühl der Verbundenheit mit allem was mich umgibt kommt auf. Der Boden trägt mich und gibt mir sicheren Halt. Geborgenheit. Der Park ist mein Ort, um zu innerer Ruhe zu finden und Kraft zu tanken. Ein Geschenk.

Kraftvoll ziehe ich mit jedem tiefen Atemzug Luft und Energie in meine Lungen und spüre, wie sie sich in meinem Körper ausbreitet, ihn durchströmt. Plötzlich fühle ich mich wieder ganz frisch und voller Energie. Die Abgeschlagenheit ist wie weggeweht.

Ich will mich bewegen, erst sanft meinen Körper und Kreislauf wieder in Schwung bringen und dann immer mehr in die Bewegung kommen. Es folgt der Sonnengruß. Ich lasse meine Augen geöffnet, atme ein und aus, gebe die Hände vor die Brust und schaue nach vorn in die Weite des Parks, atme wieder kraftvoll ein, bringe Spannung in meinen Körper, hebe die Arme und richte meinen Blick nach oben in das Farbenspiel aus blauem Himmel, grünen Blättern und filigranem Astwerk. Ausatmen, Blick und Arme geht nach unten, ich sehe und fühle das satte Grün der Wiese. Es folgt Bewegung um Bewegung und ich verbinde mich mit meinem Atem, fühle den Flow und spüre, wie mein Körper nach und nach geschmeidiger wird, die Muskeln weicher werden und sich die Verspannungen des Tages lösen. Das Gedankenkarussell lässt immer mehr nach und verschwindet irgendwann. Unbemerkt. Ich bin ganz bei mir.


Bewegungen fügen sich ganz natürlich ineinander und ich fühle mich frei und unbeschwert. Ich lächle. Allein. Im Park. Eine Asana geht in die nächste über, alles ist im Fluss, der Atem trägt mich.

Doch irgendwann habe ich genug, mein Körper sagt es mir. Ich höre zu. Das musste ich lernen, bin noch nicht gut, aber besser. Aller Stress, alle negativen Gedanken. Weg. So fällt es leichter, zu entspannen.


In sanften Bewegungen lege ich mich auf die Matte, richte mich aus und atme tief und gleichmäßig in den Bauch hinein, verlängere die Ausatmung ganz allmählich, lasse immer mehr Ruhe und Schwere in meinen Körper einkehren. Da sind die Geräusche wieder. Die Vögel, Insekten, rauschende Blätter, lachende Kinder in der Ferne. Ich lächle und streiche noch ein letztes Mal bewusst mit den Händen über das Gras bevor ich ganz regungslos daliege. Die Königsdisziplin im Yoga. Entspannen. Auch das durfte ich lernen. Ein Weg. Mein Weg. Wenn Gedanken kommen, nehme ich diese an und bestrafe mich nicht dafür. Sie gehen von selbst. Das weiß ich mittlerweile. Ich darf also liebevoll und geduldig mit mir sein. Alles braucht Zeit. Nach und nach blende ich die Umgebung immer weiter aus, Geräusche gehen, Lichtreflexe verblassen, alles verschwindet und ich bin ganz bei mir. Weder Zeit noch Raum. Stille. Irgendwann öffne meine Augen. Es ist Zeit zu gehen, doch in der wohligen Gewissheit, dass ich wiederkehren kann. Jederzeit.



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